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PAUL JANACEK

Aus KEBA PowerConnect 2026: Warum Elektromobilität ganzheitlich gedacht werden muss

  • Paul Janacek
  • 18. Mai
  • 3 Min. Lesezeit


For minds that move. And for those who lead. Unter diesem Motto fand die KEBA PowerConnect 2026 in Linz statt. Zwei Tage voller Austausch, Praxisbeispiele und Diskussionen rund um die Zukunft der Ladeinfrastruktur, Elektromobilität und Transportlogistik.


Für mich war es eine besondere Gelegenheit, im Rahmen der Veranstaltung meine Erfahrungen aus der großflächigen Elektrifizierung der Flotte der Österreichischen Post einzubringen und mit vielen Expertinnen und Experten aus Europa zu diskutieren, was es wirklich braucht, damit E-Mobilität im operativen Alltag funktioniert.


Die zentrale Erkenntnis der Veranstaltung lässt sich klar zusammenfassen:

eMobility needs to be approached holistically.Elektromobilität ist kein einzelnes Fahrzeug-, Ladepunkt- oder Softwareprojekt. Sie ist ein Betriebssystem.

Von der Pilotphase in den operativen Alltag

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren erste Erfahrungen mit E-Fahrzeugen gesammelt. Was früher als Pilot, Innovationsprojekt oder Nachhaltigkeitsinitiative gestartet ist, wird nun zunehmend Teil des Kerngeschäfts.

Gerade in der Transport- und Logistikbranche ist diese Entwicklung deutlich spürbar. Die Zahl der batterieelektrischen Nutzfahrzeuge steigt, Ladeleistungen nehmen zu, DC-Infrastruktur gewinnt an Bedeutung und regulatorische Rahmenbedingungen entwickeln sich in ganz Europa weiter.

Damit verändert sich auch die zentrale Fragestellung.

Nicht mehr: „Funktioniert Elektromobilität grundsätzlich?“

Sondern: „Wie wird Elektromobilität zuverlässig, wirtschaftlich und skalierbar in den Betrieb integriert?“

Genau hier beginnt die eigentliche Transformation.


Know your operations before you scale


Ein Satz aus meiner Keynote stand besonders im Mittelpunkt:

Know your operations before you scale.

Skalierung beginnt nicht beim Fahrzeug. Sie beginnt beim Verständnis der eigenen Prozesse.

Welche Touren eignen sich für E-Fahrzeuge? Welche Standorte haben welche Netzanschlussleistung? Wann stehen Fahrzeuge tatsächlich? Welche Ladefenster gibt es? Wer reagiert bei Störungen? Wie wird Verfügbarkeit gemessen? Welche Kosten entstehen nicht nur bei der Anschaffung, sondern im laufenden Betrieb?

Diese Fragen wirken operativ, sind aber strategisch entscheidend.

Denn große Flotten werden nicht durch Technologie allein elektrifiziert. Sie werden elektrifiziert, wenn Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Energie, Prozesse, Daten und Verantwortlichkeiten sauber zusammenspielen.


Ladeinfrastruktur ist Produktionsinfrastruktur

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus großen Flottenprojekten ist: Ladeinfrastruktur ist kein Zubehör.

Sie ist die Produktionsinfrastruktur einer elektrischen Flotte.

Wenn ein Diesel-Fahrzeug nicht betankt wird, ist das ein Einzelfall. Wenn Ladeinfrastruktur an einem Depot nicht verfügbar ist, kann das den Betrieb eines ganzen Standortes beeinträchtigen.

Deshalb verschiebt sich der Fokus:

Von der reinen Installation von Ladepunktenhin zu Betrieb, Verfügbarkeit, Monitoring, Störungsmanagement und Energieoptimierung.

In der Praxis zählt nicht nur, ob ein Ladepunkt technisch vorhanden ist. Entscheidend ist, ob er im richtigen Moment zuverlässig funktioniert.


Logistikunternehmen werden zu Energiebetreibern


Ein weiterer starker Impuls der KEBA PowerConnect war die Diskussion über neue Infrastrukturkonzepte, von Depot Charging bis hin zu integrierten Energy Hubs.

Für Logistikunternehmen bedeutet das: Sie werden schrittweise zu Energiebetreibern.

Das klingt zunächst groß. In der Realität beginnt es sehr konkret:

  • Ladezeiten müssen mit Fahrzeugverfügbarkeit abgestimmt werden.

  • Netzanschlussleistung wird zur operativen Steuerungsgröße.

  • Lastmanagement entscheidet über Kosten und Skalierbarkeit.

  • Photovoltaik, Batteriespeicher und variable Stromtarife werden wirtschaftlich relevant.

  • Standorte werden nicht mehr nur als Immobilien betrachtet, sondern als Energie- und Mobilitätsknoten.

Damit rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das viele Unternehmen noch unterschätzen:

E-Mobilität ist kein isoliertes Mobilitätsthema. Sie ist Teil des Energiesystems.


Der Markt wird professioneller – und anspruchsvoller

Die Diskussionen in Linz haben klar gezeigt: Der europäische Markt für Ladeinfrastruktur und E-Mobilität wird reifer.

Es geht nicht mehr nur um Wachstum um jeden Preis. Es geht um belastbare Lösungen, Kundennutzen und operative Exzellenz.

Themen wie steigende Ladegeschwindigkeiten, DC-Infrastruktur, unterschiedliche EU-Regulierungen, kommerzielle E-Fahrzeuge und kundenzentrierte Ladeökosysteme zeigen, wie stark sich die Branche professionalisiert.

Gleichzeitig steigt der Druck auf Unternehmen, nicht nur Produkte einzukaufen, sondern funktionierende Gesamtsysteme aufzubauen.

Genau hier liegt die zentrale Herausforderung: Die einzelnen Puzzleteile sind oft vorhanden. Entscheidend ist, sie intelligent miteinander zu verbinden.


Was Unternehmen jetzt brauchen

Aus meiner Sicht lassen sich aus KEBA PowerConnect 2026 fünf klare Handlungsfelder ableiten:


1. Operations zuerst verstehen

Bevor skaliert wird, müssen Touren, Standzeiten, Standortbedingungen, Energiebedarf und betriebliche Anforderungen transparent sein.


2. Ladeinfrastruktur als kritische Infrastruktur behandeln

Planung, Standardisierung, Betrieb und Monitoring sind mindestens so wichtig wie die Hardware selbst.


3. Wirtschaftlichkeit ganzheitlich betrachten

TCO, Energiepreise, Netzanschlusskosten, Wartung, Verfügbarkeit und Prozesskosten gehören gemeinsam betrachtet.


4. Organisation und Verantwortung klären

E-Mobilität braucht klare Ownership zwischen Fuhrpark, Facility Management, IT, Einkauf, Operations und Energieverantwortlichen.


5. Partnerschaften richtig nutzen

Kein Unternehmen muss alles selbst entwickeln. Aber jedes Unternehmen braucht eine klare Strategie, welche Kompetenzen intern aufgebaut und welche durch starke Partner ergänzt werden.


Fazit: Elektromobilität ist kein Pilot mehr

KEBA PowerConnect 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wo die Branche steht.

Die Frage ist nicht mehr, ob Elektromobilität kommt. Sie ist längst da.

Die entscheidende Frage lautet: Wer schafft es, aus einzelnen Lösungen ein funktionierendes Betriebssystem zu bauen?

Denn erfolgreiche Elektrifizierung entsteht nicht durch einzelne Produkte. Sie entsteht durch das richtige Zusammenspiel von Fahrzeug, Ladeinfrastruktur, Energie, Software, Prozessen und Menschen.


Oder anders gesagt:

Electrification is not a pilot. It becomes real when it works every day.

Genau dort beginnt die eigentliche Arbeit. Und genau dort liegt die größte Chance für Unternehmen, die Mobilitäts- und Energiewende nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu gestalten.



 
 
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